Annegret Leiner

Farben ziehen Nasen

Annegret Leiner-Ausstellung in Saarbrücken

Sabine Graf

Saarbrücker Zeitung Nr. 160 vom 13. Juli 2006

"Die Bilder leben aus der Geste", sagt Annegret Leiner über ihre neuen Arbeiten, die derzeit in der Kundenhalle der SaarLB zu sehen sind.

Ein kleiner Satz, der die Veränderung kennzeichnet: Sie findet ihre Gestalt in der mit Gelassenheit auf Leinwand und Transparentpapier getroffenen Aussage. Farbe darf im gemessenen Schwung fließen und Nasen ziehen. Auch die Assoziation zum Figürlichen darf sich einstellen. Von "Landschaften" spricht sogar der Ausstellungstitel. Doch ist der nur ein Kürzel für die Anmutung von Weite und einem Strömen und Flirren, das die Bilder bestimmt. Der Kampf und die Verbissenheit sind verflogen, mit der Linie und Farbflächen um den präzisesten Ausdruck noch vor 10, 20 Jahren in großen Formaten rangen. Bilder trugen mehrere Schichten, die vom Übermalen und ständigem Verändern berichteten. Damals war es ein notwendiger Schritt, aus den prallen Figuren und Formen der siebziger Jahre auszubrechen. Fortan beherrscht der nervöse Strich die Fläche, der von da an viele Jahre für sie charakteristisch war. Die Wende brachte das Jahr 2000 mit der Ausstellung "Colli/usionen" in der BMW Niederlassung Saarbrücken. Keine Leinwand, sondern an dünnen Drahtseilen hingen Papierarbeiten. Annegret Leiner hatte einen Sparringspartner gewählt. Sie arbeitete sich an Ausrissen aus Großflächenplakaten im Bildraum ab. Annegret Leiter ging, wie die Ausstellung zeigt, gestärkt aus dieser Auseinandersetzung hervor. Die sich auferlegte Pflicht bleibt, die genauest mögliche Aussage zu treffen. Allerdings erfolgt sie mit Leichtigkeit. Die Farben sind bisweilen in luftig-lasierender Weise einander verbunden. Ein Gutteil tragen dazu auch die weißen Flächen bei. Die Farben atmen frei. So bildet sich nicht mehr der Prozess der Bildentstehung in seiner Kompaktheit ab. Dafür findet das mit Bestimmtheit gesetzte Resumée, die Summe allen Nachdenkens über die Komposition mit leichter Hand seinen Platz. Als "einen Sprung in die Ruhe" beschreibt Annegret Leiner diese Entwicklung, die ihrem Werk sichtlich gut tut. Ein Gewinn sind auch die hohen weißen Wandteile, die den Bildern in der mächtigen Schalterhalle Respekt erweisen und Kunst nicht an Stellwänden misshandeln.